Tischspiele stellen nur noch 0,28 Prozent der in Deutschland gelisteten Casino-Titel

Zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 2026 sank der Anteil klassischer Tischspiele an den Spielkatalogen, die in Deutschland gelistet werden, von 0,54 auf 0,28 Prozent. Es ist der stärkste Rückgang unter sieben untersuchten europäischen Märkten. Erhoben hat die Werte der Marktdatenanbieter Blask, veröffentlicht wurden sie am 24. Juli 2026. In Prozentpunkten gerechnet beträgt der Schwund 0,26. Die Kategorie war schon vor dem Rückgang eine Randgröße.
Gezählt werden Titel, nicht Einsätze
Der Wert beschreibt die Zusammensetzung von Spielkatalogen. Er sagt nichts darüber, wie viel an Tischspielen gesetzt oder verloren wird. Blask erfasst die bei Casino-Marken eines Landes gelisteten Spiele und ordnet jedes einzelne einem Genre zu. Ein Anteil kann deshalb sinken, obwohl die absolute Zahl der Tischspiele konstant bleibt, sofern ringsum neue Automatenspiele hinzukommen.
Genau das ist passiert. Der Anteil der Sofortgewinnspiele hat sich im selben Zeitraum mehr als verdoppelt, während die Automatenspiele ihre Position praktisch unverändert hielten und weiter den höchsten Wert aller sieben untersuchten Märkte stellen.
Ein zweiter Punkt begrenzt die Aussagekraft für den deutschen Rechtsrahmen erheblich. Der Datensatz weist für Deutschland knapp sechs Prozent Live-Casino aus, obwohl Live-Übertragungen mit echten Croupiers über die bundesweite Erlaubnis gar nicht anbietbar sind. Erfasst sind demnach auch Marken außerhalb des erlaubten Angebots. Blask verkauft Marktdaten an die Branche, was bei der Bewertung mitzudenken ist.
- Automatenspiele 85,77 Prozent am 1. Mai, 85,62 Prozent am 1. Juli
- Live-Casino 7,09 Prozent, danach 5,99 Prozent
- Sofortgewinnspiele 0,46 Prozent, danach 1,09 Prozent
- Tischspiele 0,54 Prozent, danach 0,28 Prozent
Fünf Konzessionen für sechzehn Bundesländer
Der Grund liegt im Erlaubnisrecht. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder erteilt bundesweite Erlaubnisse für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Wetten, nicht für Bankhalterspiele wie Roulette, Blackjack oder Baccara. Das wirkt bis in die Struktur der Einstiegsangebote hinein. Wird im bundesweit erlaubten Segment ein Bonus ohne Einzahlung ausgelobt, hängt er zwangsläufig an einem benannten Automatenspiel, weil die Erlaubnis Tischspiele nicht umfasst (Tipp: Klicken Sie hier, um ein Casino mit einem 10-Euro-Bonus ohne Einzahlung zu finden, das lizenziert ist). Auf Landesebene gilt ein eigener Vorbehalt. Nordrhein-Westfalen stellt Boni und Rabatte unter Genehmigungspflicht und ahndet Verstöße als Ordnungswidrigkeit, mit einem Rahmen von bis zu 500.000 Euro.
Grundlage der Aufteilung ist § 22c des Glücksspielstaatsvertrags 2021. Virtuelle Nachbildungen von Bankhalterspielen und Live-Übertragungen aus einer Spielbank dürfen nur die Länder selbst veranstalten oder über eine begrenzte Zahl von Konzessionen vergeben. Die Obergrenze richtet sich danach, wie viele Spielbankkonzessionen ein Land zum Stichtag 17. Januar 2020 erteilen konnte. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde hatten Schleswig-Holstein und Bayern zum Stand 26. Mai 2025 zusammen fünf Konzessionen vergeben, und diesen Stichtag führt die im August 2026 aktualisierte Seite weiterhin.
Bayern betreibt sein Angebot staatlich über die Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung, mit Live-Roulette an zwei Automatikkesseln sowie virtuellem Black Jack, Roulette und Poker gegen die Bank, ausschließlich für Personen mit Wohnsitz im Freistaat. Schleswig-Holstein erteilte im September 2024 vier Erlaubnisse an private Unternehmen, von denen das erste Angebot am 1. April 2026 tatsächlich startete. Baden-Württemberg hat die Rechtsgrundlage 2025 geschaffen und das Geschäft der Staatlichen Toto-Lotto GmbH vorbehalten, ein Starttermin ist noch nicht bekannt.
Nordrhein-Westfalen will Live-Studios für mehrere Konzessionäre öffnen
Das bevölkerungsreichste Bundesland erlaubt Online-Casinospiele seit dem Online-Casinospiel Gesetz vom 23. Februar 2022 und kann bis zu fünf Konzessionen über jeweils zehn Jahre vergeben. Am 15. April 2026 legte die Landesregierung einen Entwurf zur Änderung dieses Gesetzes vor. Ein Beschluss des Landtags dazu ist bislang nicht veröffentlicht.
Eine Live-Übertragung aus anderen Räumen sei mit enormen Kosten verbunden, heißt es in der Begründung. Räume, Technik und Personal müssten vorgehalten werden, und die Nutzung durch nur einen Konzessionsinhaber dürfte in der Regel nicht wirtschaftlich sein. Ohne spezialisierte Dienstleister bestehe die Gefahr, dass die Konzessionäre vom Live-Angebot mangels Wirtschaftlichkeit keinen Gebrauch machten. Künftig sollen mehrere Konzessionsinhaber die Räume desselben Dienstleisters nutzen dürfen, ein Verfahren, das der Gesetzentwurf ausdrücklich aus den Niederlanden übernimmt.
Dazu kommen Auflagen, die es im Automatenspiel so nicht gibt. Jedes einzelne Spiel braucht eine gesonderte Erlaubnis und wird vor der Zulassung geprüft, die Kosten trägt der Konzessionsinhaber. Die Einsätze pro Spiel sollen wesentlich geringer ausfallen als die in den Spielbanken des Landes maximal möglichen. Der Aufsicht ist jederzeit Zutritt zu allen Räumen zu gewähren, aus denen übertragen wird. In Bayern läuft das Live-Roulette nur zu festen Zeiten, die virtuellen Spiele rund um die Uhr.
Bei Sportwetten sind Livewetten auf das nächste Tor nur in wenigen Sportarten erlaubt
Bei Sportwetten läuft die Erlaubnis bundesweit, ohne Länderkonzession und ohne Studio. Begrenzt wird stattdessen das Produkt selbst. Während eines laufenden Sportereignisses erlaubt § 21 des Glücksspielstaatsvertrags nur Wetten auf das Endergebnis sowie Wetten auf das nächste Tor, den nächsten Satz oder einen vergleichbaren Bestandteil des Endergebnisses. Das gilt für Sportarten mit wenigen solcher Ereignisse, im Gesetzestext genannt sind Fußball, Hockey, Eishockey und Volleyball. Wetten auf die nächste gelbe Karte gehören nicht dazu. Besteuert werden die Einsätze mit 5,3 Prozent, demselben Satz, der auch für virtuelle Automatenspiele gilt.