Teamcheck: Portugal
MSP · Folge  · #39  · 31.05.18  · 6 Min. 13 Sek.

Teamcheck: Portugal

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Beschreibung

Spricht man von den Favoriten auf den WM-Titel, werden meist Spanien, Deutschland, Frankreich und Co. genannt. Portugal hingegen werden nur Außenseiterchancen zugetraut. Und das, obwohl die Portugiesen als amtierender Europameister nach Russland reisen. Sicherlich verfügt das Team von Fernando Santos nicht über die spielerischen Qualitäten der Spanier oder der geballten Offensivpower der Franzosen. Vorzeitig abschreiben sollte man Portugal aber dennoch nicht.

Text: Nico Scheck (90PLUS)

Der Weg zur WM:
Der Europameistertitel vor zwei Jahren kam überraschend und hat die Erwartungen bei den Portugiesen natürlich nicht unbedingt geschmälert. Nun soll Portugal auch bei der WM möglichst weit kommen. Die WM-Quali begann mit einem 0:2 gegen die Schweiz denkbar schlecht. Die restlichen neun Spiele wurden aber allesamt gewonnen, sodass am Ende Platz eins in Gruppe B heraussprang. Da Portugal außer der Schweiz aber auch keine nennenswerte Konkurrenz in seiner Gruppe hatte, wäre alles andere auch eine Überraschung gewesen. Mit Spanien wartet bei der WM nun ein etwas anderes Kaliber.

Der Star:
Ganz klar, Cristiano Ronaldo ist der Star, das Herz und überhaupt fast alles bei Portugal. 15 von insgesamt 32 Toren in der WM-Qualifikation gehen allein auf das Konto des 33-jährigen. Europameister ist er schon, auf Vereinsebene hat er sowieso schon alles mehrfach gewonnen, nun fehlt noch der WM-Titel. Bei der Konkurrenz kein leichtes Unterfangen. Allerdings dachte man das auch 2016 bei der EM und am Ende wurde Frankreich im Finale sogar ohne den fünffachen Weltfußballer niedergerungen. Dennoch: Möchte Portugal möglichst lange in Russland dabei sein, braucht es einen Ronaldo in seiner absoluten Top-Form. Und die hat er aktuell unbestritten. War er in der Hinrunde bei Real Madrid oftmals unsichtbar (außer in der Champions League natürlich), präsentierte sich CR7 in diesem Kalenderjahr wieder von seiner Sahneseite….

Der mögliche Shooting-Star:
Junge, talentierte Spieler sind in Portugals Auswahl reichlich zu finden. Doch nicht alle haben das beste Jahr hinter sich. André Silva beispielsweise hat nach seinem Wechsel vom FC Porto zum AC Mailand im vergangenen Sommer eine sehr durchwachsene Saison hinter sich. Renato Sanches, 2016 noch mit dem „Golden Boy Award“ ausgezeichnet, steht nicht einmal im Kader. Auch Bernardo Silva brauchte bei Manchester City etwas Anlaufzeit, wenn auch seine Formkurve zuletzt deutlich nach oben zeigte.
Der Shooting-Star ist möglicherweise deutlich weiter hinten zu finden. Rúben Dias ist in dieser Spielzeit zum unangefochtenen Stammspieler gereift und das, obwohl er erst im letzten Sommer zum Profi-Kader dazugestoßen ist. Nun könnte er auch in Portugals Innenverteidigung ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Denn mit José Fonte (34), Pepe (35) und Bruno Alves (36) fehlt es den Portugiesen gerade hier an etwas Spritzigkeit.

Der Trainer: Fernando Santos hat schon einige Trainerstationen auf dem Buckel. Unter anderem trainierte er den FC Porto (1998-2001), Benfica Lissabon (2006-2007) und die griechische Nationalmannschaft (2010-2014), bevor er im September 2014 das Traineramt bei den Portugiesen übernahm. Seine Bilanz kann sich dabei sehen lassen: Europameister 2016 und Dritter beim Confed-Cup 2017. Dennoch gilt er als umstritten. Seine sehr defensive Spielweise brachte ihm schon bei der letzten EM einiges an Kritik ein. Mit drei Unentschieden ging es in die K.O.-Runde und auch im Achtel- und Viertelfinale wurde das Spiel erst in der Verlängerung für sich entschieden. Ob Santos mit dieser Taktik bei der WM ebenfalls Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten.

Stärken und Schwächen:
Portugal hat, wie bereits angesprochen, einige talentierte Offensivspieler in seinen Reihen. Die Abhängigkeit von Ronaldo ist nicht mehr ganz so groß wie vielleicht vor zwei Jahren. Bernardo Silva hat sich seitdem enorm entwickelt und auch Goncalo Guedes und Gelson Martins dürften bei diesem Turnier eine wichtige Rolle unter Santos spielen.
Problematischer gestaltet sich das zentrale Mittelfeld und die Abwehr. Denn dort ist der Europameister von 2016 deutlich schwächer besetzt als die Konkurrenz aus Spanien, Deutschland etc. Insbesondere die bereits erwähnte Innenverteidigung hat, bis auf Dias, ihren Zenit schon länger überschritten. Gerade bei der von Santos bevorzugten Defensivtaktik könnte das zum großen Problem werden. Dias wird also auch in der Nationalmannschaft einen Senkrechtstart hinlegen müssen.

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